Horizont

Gängige Praxis 

Zum zweiten und letzten Mal diente das generöse Obergeschoss der Hohenzollernstraße 47 als räumliche Plattform für einen weiteren, komplementären Ausstellungsentwurf. Statt Einzelpräsentation und Dialog zogen sich in einer Raum übergreifenden linearen Hängung 100 Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern durch die großbürgerliche Etage. Unterschiedliche Formate entwarfen so einen abwechslungsreichen horizontalen Bilderfries, durch die der Betrachter, mittels dieses »optischen Handlaufs«, durch die Räume geführt und am Ende wieder aus ihnen entlassen wurde.

Im Unterschied zur kuratierten Ausstellung »4712« wurden für »Gängige Praxis« Künstlerinnen und Künstler eingeladen, im Hinblick auf die Gesamtpräsentation ca. drei Bild- oder Wandarbeiten aus ihrer künstlerischen Produktion selbst auszuwählen. Die sich daraus ergebende nicht einschätzbare Dichte der aneinandergereihten 100 Meisterwerke memorierte bewusst auch die Ausstellungspraxis von Kunstmessen. Das ausgestellte Werk wird diskursiv platziert und inmitten des kleinen Ausstellungszeitraums auch als verkäufliches Werk verhandelt.

Die verschiedenartigen Arbeiten, zumeist niedersächsischer Künstlerinnen und Künstler, werden ergänzt durch eine Auswahl von Werken aus dem Besitz des Land Niedersachsen, die aus dessen Archiv für die Präsentation im Rahmen der »100 Meisterwerke« ausgesucht und zur Verfügung gestellt werden.

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4712 

»4712« markierte den Beginn des Ausstellungsprojekts »Haus und Grund genug«. Das Vorhaben ist bestrebt, zentral gelegenen Leerraum in Hannover ausfindig zu machen und diesen für künstlerische Präsentationen »zwischenzunutzen«. Räume, die im Augenblick keine zweckdienliche Verwendung haben, werden in Zusammenarbeit mit Besitzern und Vermietern dieser Objekte verfügbar gemacht.

Als Kontrapunkt zu den vorhandenen stationären Anlaufstellen der Kunstbetrachtung versteht sich das Vorhaben weniger als Kritik an diesen, sondern vielmehr als Erweiterung einer zeitbezogenen Beweglichkeit künstlerischer Produktion und deren Reflexion.

Über einen Kontakt wurde durch die Krasemann Immobilien GmbH für einen vereinbarten Zeitraum kurzfristig ein Objekt in der Hohenzollernstraße 47 bereitgestellt, welches auf mehrere Räume verteilt die Möglichkeit für ca. 300 qm Ausstellungsfläche bietet. Die dreistöckige Gründerzeitvilla, in der zwei Etagen gewerblich genutzt werden, befindet sich in der Oststadt Hannovers.

Die Arbeiten der ersten Schau befassten sich inhaltlich und formal mit Strukturen der »Arbeits- und Lebensarchitektur«. »4712« entwarf mit dem Titel einerseits allgemein lesbare Koordinaten wie Raum und Zeit, konstruierte aber andererseits eine atmosphärische Note privater Erinnerung.

 

Pressemeldungen:

Am 19.12.2015 erschien der Artikel »Kunst auf Zeit in Lister Gründerzeitvilla« von Stefan Gohlisch, Neue Presse.

Am 22.12.2015 erschien eine ausführliche Ausstellungsbesprechung mit dem Titel »Gründerzeit« von Michael Stoeber in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.